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Herzlich willkommen an der Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft

An unserer Fakultät beschäftigen sich über 3000 Studierende und mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Wissenschaft sowie Verwaltung in drei Instituten mit philosophischen und erziehungswissenschaftlichen Lehrinhalten und Forschungsschwerpunkten. Wir zeichnen uns durch ein breit gefächertes geistes- und gesellschaftswissenschaftliches Angebot aus, mit welchem wir eine multiperspektivische, methodisch vielfältige und gesellschaftlich hochrelevante Lehre und Forschung bieten.

Die Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft stellt sich klar gegen jede Form der Diskriminierung oder Diffamierung von Menschen oder Gruppen aufgrund deren Herkunft, religiöser Zugehörigkeit, Nationalität, körperlicher Verfassung, sexueller Identität, Geschlechts, Einkommensverhältnisse oder ihres Alters.
Unser Mitgefühl gilt allen, die unter Hass, Verfolgung, Not und Krieg leiden!


Der Philosoph Bernhard Waldenfels verstorben - RUB-Professor von 1976-1999

Am 23. Januar 2026 ist Bernhard Waldenfels im Alter von 91 Jahren in München verstorben. Der am 17. März 1934 geborene Philosoph gehört zu den wichtigsten Phänomenologen der Gegenwart. Er hat sich einschlägig um den deutsch-französischen Dialog verdient gemacht, indem er Denker wie Merleau-Ponty und Emmanuel Levinas mit seinem inzwischen zu einem Klassiker gewordenen Werk Phänomenologie in Frankreich (1983) beim deutschsprachigen Publikum einführte. Sein eigenes Denken kristallisierte sich über Untersuchungen von Leiblichkeit, Ordnung und Alterität in einer „responsiven Phänomenologie“, die davon ausgeht, dass wir immer schon auf etwas antworten, das uns vorausgeht. Dieser Ansatz wurde in mehr als 30 Monographien und Sammelbänden, vor allem jedoch in den Hauptwerken Antwortregister (1994) und Bruchlinien der Erfahrung (2002), entwickelt.

An der Ruhr-Universität Bochum lehrte er als Professor von 1976 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 und leitete u.a. eines der ersten philosophischen DFG-Graduiertenkollegs („Phänomenologie und Hermeneutik“, 1992-1998).

Als Mitbegründer der „Deutschen Gesellschaft für phänomenologische Forschung“ (1969) und als Gesprächspartner für zahlreiche Disziplinen, von den Theater- und Musikwissenschaften über die Soziologie und die Erziehungswissenschaften, die Psychiatrie und die Psychoanalyse bis hin zur Architekturtheorie prägte er auf einschlägige Weise die philosophischen Diskurse der vergangenen Jahrhunderthälfte. Die Ruhr-Universität gedenkt eines der größten Geisteswissenschaftler ihrer Geschichte.

Weitere Informationen über Person und Werk finden sich auf der Internetseite des Bernhard Waldenfels-Archivs: https://uni-freiburg.de/husserlarchiv/.

Ulrich Dierse wurde am 21.11.1943 in Herbern bei Ascheberg geboren. Er studierte Philosophie und Germanistik in Münster und zwei Semester in Zürich, seine Lehrer waren in Münster v.a. die Philosophen Joachim Ritter und Karlfried Gründer, in Zürich der Germanist Emil Staiger. Dierse promovierte 1971 in Münster bei K. Gründer mit der Dissertation Enzyklopädie. Zur Geschichte eines philosophischen und wissenschaftstheoretischen Begriffs; die Buchpublikation erfolgte 1977 als Supplementheft 2 des Archivs für Begriffsgeschichte. Mit Gründer, der 1969 einen Ruf an die RUB erhalten hatte und Mitherausgeber des von Ritter begründeten Historischen Wörterbuchs der Philosophie war, wechselte er nach Bochum und erhielt eine Kustodenstelle für die Arbeit am Wörterbuch. Zusammen mit seinen Assistentenkollegen Axel Horstmann und Gunter Scholtz repräsentierte Dierse die Bochumer Gründer-Schule. Seine Haupttätigkeitsfelder waren neben der Arbeit am und für das Historische Wörterbuch der Aufbau der philosophischen Bibliothek, dem er sich mit viel Engagement widmete.

Ulrich Dierses philosophische Hauptarbeitsgebiete waren neben der Begriffs- und der Philosophiegeschichte die politische Philosophie. Sein philosophiegeschichtliches Hauptinteresse galt insbesondere der französischen Aufklärung. So publizierte u.a. Aufsätze zu Voltaire und Diderot sowie den französischen ‚Soziologen‘ und Physiokraten. Außerdem beschäftigte er sich intensiv u.a. mit Hans Blumenbergs Theorie der Begriffsgeschichte und seiner Metaphorologie sowie der politischen Philosophie der Ritter-Schule, der er aus seiner Münsteraner Zeit eng verbunden war.

Ulrich Dierse hat ein umfangreiches wissenschaftliches Werk hinterlassen. Dazu gehören rund 40 Aufsätze und zahlreiche begriffsgeschichtliche Studien. Die meisten dieser Arbeiten erschienen im Historischen Wörterbuch der Philosophie, zu dessen Herausgeberkreis er seit 1975 gehörte. Er war mit über 60 Artikeln, die die ganze Bandbreite seiner philosophischen Interessen von der politischen Philosophie bis zur Religionsphilosophie widerspiegeln, der produktivste Wörterbuchautor. Darüber hinaus hat er noch eine vielfach größere Zahl von Artikeln redaktionell betreut. Unter seinen Arbeiten finden sich z.T. umfangreiche Untersuchungen zu den Begriffen Anarchie, Despotie, Geschichtsphilosophie, Glauben und Wissen, Gott, Ideologie, Leben, Offenbarung, Philosophie, Sprachphilosophie und Utopie. Außerdem war Ulrich Dierse Mitherausgeber des Archivs für Begriffsgeschichte, Mitherausgeber vom Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften, und er war Mitherausgeber der zwei Bände Schlüsselbegriffe der Philosophie des 19. und des 20. Jahrhunderts. Seine letzte große Arbeit, eine begriffsgeschichtliche Studie zum Patriotismus-Begriff, konnte er leider nicht mehr zum Abschluss bringen.

Für die Fakultät und das Institut für Philosophie engagierte sich Ulrich Dierse in verschiedenen Kommissionen, u.a. der Graduiertenkommission, und war langjähriger Bibliotheksbeauftragter. 

Kennzeichnend für Dierse war eine geradezu sprichwörtliche Bescheidenheit, seine Zuverlässigkeit, Genauigkeit und sein großes, aus den Quellen geschöpftes philosophiehistorisches Wissen.

Der Büchermensch Ulrich Dierse, der nicht nur in Bibliotheken nach begriffsgeschichtlichen Belegen und philosophiegeschichtlichen Zusammenhängen forschte, war selbst auch ein begeisterter Büchersammler. Einen Ausgleich für seine wissenschaftlichen Aktivitäten fand er im Wandern, das er intensiv und mit Leidenschaft betrieb. 

Nach langer, schwerer Krankheit ist Ulrich Dierse am 19.12.2025 in Witten verstorben. Die Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft dankt ihm für seine uneigennützige und vielfältige Wahrnehmung von Selbstverwaltungsaufgaben. Sie wird ihn als engagierten Philosophiehistoriker, Begriffsgeschichtler und Unterstützer ihrer Anliegen stets in guter Erinnerung behalten.

Verfasser: Prof. Dr. Hans-Ulrich Lessing

Frithjof Rodi (geboren am 1.4.1930 in Pforzheim) studierte in Tübingen Philosophie u.a. bei Eduard Spranger und Otto Friedrich Bollnow, bei dem er 1958 mit einer Dissertation über Diltheys Phantasiebegriff promovierte; die Habilitation erfolgte 1970. Im selben Jahr wurde Rodi an die RUB berufen, an der er bis zu seiner Emeritierung 1993 mit großem Erfolg lehrte. 
Seine philosophischen Hauptarbeitsgebiete waren Dilthey und die Dilthey-Schule, die Theorie und Geschichte der Geisteswissenschaften – insbesondere die Hermeneutik im 19. und 20. Jahrhundert – und die Weiterentwicklung der „hermeneutischen Logik“ zu einer „Epidigmatik“. Bedeutsame Ereignisse seiner wissenschaftlichen Biographie waren v.a. die Fortführung der Edition der Gesammelten Schriften Diltheys (Bände 18-26, 1977-2006), die Begründung und Leitung des Dilthey-Jahrbuchs für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften (12 Bände, 1983-1999/2000), die Gründung der Dilthey-Forschungsstelle im Institut für Philosophie (1983) sowie die Mitherausgabe der amerikanischen Dilthey-Ausgabe Selected Works (6 Bände, 1985-2020). Daneben hat Rodi die Bollnow Studienausgabe initiiert und mit ediert (12 Bände, 2009-2021) sowie Arbeiten von Herman Nohl (1970) und die Logik-Vorlesungen von Georg Misch (1994) mit herausgegeben. 
Die wichtigsten seiner zahlreichen Dilthey-Studien und seiner Aufsätze zur Theorie und Geschichte der Geisteswissenschaften wurden in mehreren Bänden zusammengefasst: Morphologie und Hermeneutik (1969), Erkenntnis des Erkannten (1989), Das strukturierte Ganze (2003), Über die Erfahrung von Bedeutsamkeit (2015) und Diltheys Philosophie des Lebenszusammenhangs (2016). Durch seine Arbeiten, die international große Anerkennung gefunden haben, hat Rodi die Ruhr-Universität Bochum zum Zentrum der internationalen Dilthey-Forschung gemacht, wovon seine diversen Arbeitsbeziehungen zu Forscherinnen und Forschern (u.a. USA, Italien, Japan, Polen, Südkorea) Zeugnis ablegen. Ein Höhepunkt seines akademischen Wirkens war der von ihm mit ausgerichtete, große, international besetzte Kongress Anthropologie und Geschichte aus Anlass von Diltheys 100. Todestag vom 27.9.-1.10.2011 in Meran. 
Nicht zuletzt den Forschungen Frithjof Rodis, der nicht nur ein hervorragender Editor und ein subtiler Interpret philosophischer Texte, sondern auch ein höchst erfolgreicher Organisator war, ist es zu verdanken, dass Wilhelm Dilthey inzwischen zu den Klassikern der deutschen Philosophie gerechnet wird.  
Am 27. Oktober ist Frithjof Rodi, der in seiner überaus lesenswerten Autobiographie Das Haus auf dem Hügel (2006) sehr eindrucksvoll seine Jugend in Pforzheim vor dem Hintergrund der Nazi-Herrschaft und des 2. Weltkriegs schildert, im hohen Alter von 95 Jahren in Bochum verstorben.   

Verfasser: Prof. Dr. Hans-Ulrich Lessing